"Ich will nicht so werden..." Das Wein Web 2.0 - Tendenzen

Vor wenigen Tagen fragte mich Dirk Würtz nach einer kurzen Diskussion, ob ich nicht einen Beitrag darüber verfassen möchte, wie sich das Wein Web 2.0 meiner Ansicht nach negativ entwickelt. Gerne bin ich dem Wunsch nachgekommen und heute hat er meinen Gastbeitrag online gestellt.
Hier kann man ihn lesen und diskutieren:

http://wuertz-wein.de/wordpress/2012/02/27/ich-will-nicht-so-werden/

Côtes de Bourg - Vielfalt aus Bordeaux

Mit ungefähr 120.000 Hektar ist das Anbaugebiet Bordeaux größer als alle deutschen Anbaugebiete zusammen. Natürlich ist dies viel zu groß, ein großer Teil der unter der AC Bordeaux produzierten Weine ist qualitativ so schlecht, dass darunter der Ruf des Anbaugebiets leidet. Kein Wunder, werden hier doch Rotweine auf Böden und unter klimatischen Bedingungen produziert, ohne die kein vernünftiger Rotwein entstehen kann. Neben der AC  existiert noch eine zweite Wahrnehmung von Bordeaux. Diese ist auf die großen Terroirs des Haut Medoc und auf Pessac Leognan am linken Ufer und auf St-Emilion und Pomerol am rechten Ufer von Gironde bzw. Garonne und Dordogne zugespitzt. Hierdurch entsteht die trügerische Wahrnehmung, Bordeauxweine seien zwar meist von herausragender Qualität, aber auch von astronomischen Preisen geprägt. Es existiert jedoch eine weitere Facette von Bordeaux, der man nicht so häufig begegnet: gute Anbaugebiete mit guten Weinen zu fairen Preisen.
Um sich besser vermarkten zu können, schlossen sich einige Appellationen der sogenannten Bordeaux Côtes unter dem Namen Côtes de Bordeaux zusammen. So wurde beispielsweise aus der Côtes de Blaye bzw. Premières Côtes de Blaye die Appellation Côtes de Bordeaux - Blaye. Das Anbaugebiet Côtes de Bourg verweigerte sich diesem Zusammenschluss und versucht, sich im Alleingang auf dem Weltweinmarkt zu behaupten.

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Der Werbeträger des Syndicats Viticole des Côtes de Bourg

Côtes de Bourg ist ein ca. 3850 ha großes Anbaugebiet um die kleine Stadt Bourg gelegen, am rechten Ufer der Gironde, genau am gegenüberliegenden Flussufer der berühmten Appellation Margaux. Das Klima der Region ist vom Atlantik geprägt, es zeichnet sich gegenüber den meisten anderen Gebieten von Bordeaux durch etwas höhere Sonneneinstrahlung und etwas geringere Niederschläge aus. Die Böden sind verschieden, doch nicht ganz so vielseitig, wie in anderen Appellationen, z.B. wie in der die Côtes de Bourg umschließenden und deutlich größeren Côte de Bordeaux Blaye. Es existieren Böden von Quartärschlamm, Böden auf Sand-Lehm-Gestein sowie Lehm-Kalkböden. Auf solchen Böden gedeiht besonders gut Merlot, die mit 65% dominierende rote Rebsorte dieser Appellation. Weitere rote Rebsorten sind Cabernet Sauvignon (20%), die klassische, aber eher selten angebaute Malbec (10%) und Cabernet Franc (5%).  Im Weißweinbereich dominiert Sauvignon Blanc (46%), Semillion (23%), die ebenfalls für Bordeaux zugelassene, aber eher mit der Gascogne assoziierte Rebsorte Colombard (23%) sowie mit 8% Muscadelle.* Rund 450 Winzer - 250 unabhängige und rund 200 Genossenschaftswinzer - produzieren jährlich ca. 180.000 hl Wein.
Côtes de Bourg gilt schon seit längerem als eine kleine aufstrebende Appellation mit einem hohem Potential. Das zu dem Château Tertre-Roteboeuf aus Saint-Emilion gehörende Château Roc de Cambes hat schon vor einigen Jahren dazu beigetragen, dass das Weinbaugebiet um Bourg eine größere Wahrnehmung genießt. Auch die Weine von z.B. der Châteaux Terrefort-Bellegrave und Tayac genießen einen guten Ruf, sie haben es zur namentlichen Erwähnung im Oxford Weinlexikon geschafft. Doch einige wenige Weingüter reichen nicht, um sich relevant auf dem Weinmarkt zu positionieren. Daher präsentierte das Syndicat Viticole des Côtes de Bourg in Kooperation mit Wein Consulting in Berlin und Köln Weine und Winzer, um die Appellation in Deutschland bekannter zu machen. Neben einer kleinen von Sommelière Christina Fischer geführten Degustation und der unterhaltsamen Möglichkeit aus rebsortenreinen Weinen eine eigene Assemblage zu kreieren, präsentierten 23 Winzer ihre Weine. Zusätzlich  gab es die Möglichkeit noch weitere knapp 20 weitere Weine nicht anwesender Winzer zu degustieren. So konnte der Besucher ein breites Bild von den Weinstilen des Gebiets gewinnen.

Die Weine der Côtes de Bourg sind sehr vielseitig. Neben einigen Weißweinen, die interessante, aromatische, teils im Barrique ausgebaute Weine  ergeben, findet sich ein breites Spektrum an Rotweinstilen. Es werden fruchtig würzige, recht gehaltvolle Clairets (Rosé) erzeugt, sowie leichtere, meist im Stahl oder Barriques in Dritt- oder Viertbelegung ausgebaute Merlotcuvées. Sie repräsentieren einen Bordeauxstil, der hierzulande eher selten anzutreffen ist. Sie zeichnen sich durch Fruchtigkeit und, bedingt durch eine vitale Säure, Frische aus. Daneben werden auch komplexere und elegante Rotweine erzeugt, die im Barrique ausgebaut wurden und von ihrer Stilistik eher an einen früheren Bordeauxstil erinnern, als noch nicht Opulenz und Üppigkeit die Stilistik dieser Weine auszeichnete. Doch auch der letztere Stil findet sich in Côtes de Bourg. Hohe Reife, deutlich wahrnehmbarer Barriqueausbau und höherer Alkohol prägt diese Weine. Sie erinnern in ihrer Stilistik schon sehr an den mittlerweile in St-Emilion vorherrschenden Stil.

Die Weine der Côtes de Bourg verdienen Beachtung. Qualitativ werden sehr interessante Weine erzeugt. Dank der Vielseitigkeit der Stile, die sich auch  innerhalb des Angebotes  eines Weinguts wiederfinden lassen, lassen sich Weine für beinahe jeden Geschmack finden. Noch sind die Weine aus der Côtes de Bourg noch nicht am qualitativen Limit angekommen, hier ist weiteres  möglich. Das macht das Gebiet noch interessanter. Besonders auf Grund der realistischen Preisgestaltung lassen sich hier sehr gute Bordeaux finden. Die meisten hier erzeugten Weine fallen weder in die Kategorie schlechter Wein noch die Kategorie überteuerter Wein. Aber natürlich gilt auch hier: welcher Wein  schließlich in Frage kommt, ist immer noch Geschmackssache.

*Angaben aus einer offiziellen Broschüre des Syndicat Viticole des Côtes de Bourg – das Oxford Weinlexikon (2007) erwähnt für die Weißweinproduktion noch als wichtige Rebsorte Ugni Blanc (aus Italien als Trebbiano bekannt). Sie spielt in Aquitanien besonders für die Cognac- bzw. Armagnacproduktion eine sehr wichtige Rolle.

Jay and Silent Bob - Jay Miller verlässt den Wine Advocate

In den letzten Jahren wurde aber immer wieder Kritik laut, besonders wenn es um Bewertungen von Weinen hauptsächlich aus Spanien und Südamerika ging. Es erhielten Weine in einem Preissegment teilweise deutlich unter 10 Euro inflationär hohe Bewertungen. Immer wieder fanden sich in Weinwerbungen Weine, die um 8 Euro kosteten und die von den Händlern groß mit 90 und mehr Parker Punkten (PP) beworben wurden. Sehr angenehm für die Winzer und Händler. Auf der anderen Seite stellte sich die Frage, warum man für einen Bordeaux mit 90 PP 30 Euro und mehr zahlen solle, wenn man angeblich vergleichbare Qualität für deutlich weniger Geld in Spanien bekomme. Hier zeigten sich zwei Probleme. Erstens wurden die Beschreibungen zu Gunsten der Punkte in den Hintergrund gerückt. Unterschiedlichste Weine wurde auf Grund der Punkte gleichgesetzt. Zweitens wurde nie wirklich deutlich, wie das System des Wine Advocate aussah. Denn es ist nicht Robert Parker allein, der die Weine der Welt verkostet, sondern es ist ein Team von verschiedenen Verkostern, die für bestimmte Regionen zuständig sind. Die Bezeichnung der Parker Punkte ist also zugespitzt, es müsste für die Klarheit eigentlich „Wine Advocate Punkte“ heißen. Als vor kurzem Parker ankündigte, nicht mehr persönlich die Weine Kaliforniens zu verkosten, machten sich die dortigen Winzer nicht zu Unrecht Sorgen. Wird der neue Verkoster Antonio Galloni ebenfalls den auf Parkers Geschmack ausgerichteten Weinstil ebenfalls goutieren und entsprechende Punkte vergeben?

Jay Miller war der zuständige Verkoster des Wine Advocate für u.a. Südamerika und Spanien. In den letzten Jahren waren nicht nur seine oben angesprochenen Bewertungen Anlass für Unmut. 2009 geriet Jay Miller erstmals verstärkt in die Kritik, da er sich mehrfach wohl von namhaften und von ihn hochbewerteten Winzer hat einladen lassen. Seine Unabhängigkeit wurde in Frage gestellt. Dieses Jahr wurde erneut Kritik laut, da wohl für einen 2 Tages Besuch Millers in der D.O. Vinos de Madrid eine Gebühr von 20000 Euro erhoben wurde.
Heute kam die Meldung, dass Jay Miller den Wine Advocate verlässt. Miller und Parker betonen, dass es sich um einen freiwilligen Rückzug handelt.
Diese Entscheidung war überfällig, um wieder Ruhe beim Wine Advocate einziehen zu lassen. In Zukunft wird Neal Martin für die Weine Spaniens, Chiles und Argentiniens zuständig sein. Sicherlich wird sich nun einiges bei den Bewertungen ändern - was sicherlich nicht jeden Winzer freuen wird. Aber es ist gut für die Konsumenten, wenn die Bewertungen des Wine Advocate wieder in allen Bereichen einheitlicher und damit bedingt vergleichbarer sind. Und das beste wird hoffentlich sein, dass bald nicht mehr aus jeder Weinwerbung - sei es von Discountern, LEH oder Weinhändlern - einem die 90+ PP für spanische Weine unter 8 Euro entgegenbrüllen.  Jetzt müssen sich die Händler eine neue Strategie ausdenken - vielleicht mal eine die mehr informiert, als plakativ Punkte anzupreisen.
Auf jeden Fall wird der Wine Advocate erst mal wieder in ruhigeres Fahrwasser geraten. Aber die Diskussionen um Parker und seine Punkte werden trotzdem nicht ganz verebben.

NACHTRAG: Am 5. Dezember teilte Neal Martin via Twitter mit, dass er bereits Ende März 2011 gefragt wurde, ob er die Länder Spanien, Chile und Argentinien als Verkoster übernehme. Er hat sich bereits Anfang August 2011 dazu bereit erklärt. (Original Tweet: "For the record, I was first asked whether I would take over Spain, Arg + Chile at end March 2011 and accepted in early August.")

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Bairrada Garrafeira 1995 – gereifter Wein in der Weinrallye #45

Portugal - mit diesem Weinland verbanden die meisten Menschen lange Zeit wohl Portwein und Mateus Rosé. Heute kennt man den Douro nicht nur wegen des Ports, sondern auch wegen seiner großartigen Rotweine. Die Weißweine des Vinho Verde haben einen Ruf als frische Sommerweine. Dass es sich bei Vinho Verde nicht um einen Weinstil, sondern um ein Anbaugebiet handelt, ist häufig unbekannt. Man sollte unbedingt die großartigen Alvarinhos aus dieser Region probieren. Vielleicht kennt man noch Dao, eine Region, in der immer mehr guter Rotwein produziert wird. Aber die wenigsten dürften eine Region kennen, die südlich von Porto und westlich von Dao liegt - Bairrada.

Der Weinbau in Bairrada reicht bis ins 10. Jahrhundert zurück. Im 18. Jahrhundert waren die Weine dieser Region in England recht beliebt, wo sie häufig als Portweine vermarktet wurden. Um den Portwein zu schützen, ließ 1756 der portugiesische Ministerpräsident Marquês de Pombal die Weinberge der Region roden. Sie sollte sich von diesem Schlag lange nicht erholen. 1908 verlor Bairrada sogar den offiziellen Status einer Weinbauregion und nach langem und massivem Druck der betroffenen Winzer wurde sie erst 1979 in den Status einer Região Demarcada (RD) erhoben und später wie alle RDs zu einer Denominação de Origem Controlada (DOC) umgewandelt. Noch heute hat sich die Region nicht richtig von den Entscheidungen der Vergangenheit erholt. Die meisten Winzer bauen ihre Trauben für Genossenschaften an, erst seit den 1980er Jahren gibt es einige wenige Weingüter, die in Eigenregie Weine erzeugen. Ein Großteil der geernteten Trauben wird noch heute für den bereits erwähnten Mateus Rosé verwendet.

In Bairrada dominiert die Rebsorte Baga, was Beere bedeutet. Die kleine und dickschalige Rebsorte ergibt Weine mit hohem Tannin- und Säuregehalt. Die besten Weine dieser Region brauchen viel Zeit, bevor sie zugänglich werden. Diese Weine erkennt man an der Bezeichnung Garrafeira. Hierbei handelt es sich um einen Wein, der mindestens 0,5% mehr Alkohol als standardmäßig im DOC-Reglement vorgegeben enthalten muss. Dazu muss ein Bairrada mindestens drei Jahre im Fass und ein Jahr in der Flasche reifen.

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Der Casa de Saima Garrafeira 1995 ist granatrot. Braune Ränder verraten seine Reife. In der Nase Tabak und Leder. Daneben schwarze Johannisbeeren, eher gedeckt und nicht so konzentriert wie in chilenischem Cabernet Sauvignon oder in Crème de Cassis. Pflaume und dezente dunkle Beeren. Dazu eine Reifenote. Auf der Zunge hat der Wein noch eine kräftige Säurestruktur. Die Weinsäure ist deutlich an den Rändern und im hinteren Zungenbereich spürbar. Noch immer eine ausgeprägte Tanninstruktur. Leichte Bitternoten von Gerbstoffen. Es findet sich wieder die schwarze Johannisbeere und süßliche Noten die an Rosinen erinnern. Dieser Bairrada braucht zwei Dinge: Luft und gegrillte Steaks. Oder noch ein paar Jahre Zeit. Er ist definitiv ein Wein für Anhänger kräftiger Weine, die auch gerne die Tannat-Weine aus dem Madiran mögen.

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Posted May 22, 2011

Eine kurze Geschichte über Châteauneuf, die Päpste und den Wein - und eine Vertikale mit Matthieu (Weinrallye 44)

Traditionell zieren die Tiara und die Schlüssel Petri die Flaschen der Weine aus Châteauneuf-du-Pape. Dieses Design verdeutlicht einen Anspruch auf eine weit zurückreichende Geschichte - zurück bis in die Zeit des 14. Jahrhunderts, der Ära des avignonesischen Papsttums. Die Weine aus Châteauneuf-du-Pape genießen heute ein sehr großes Ansehen, doch reicht ihre Geschichte wirklich so weit zurück? Genossen die Weine bereits im späten Mittelalter solch ein Ansehen?

Unter Clemens V., seit 1305 Papst, zog im Jahre 1309 die Kurie nach Avignon. Dies hatte zahlreiche Gründe. So stand das Papsttum bereits seit seinem Vorvorgänger Bonifaz VIII. stark unter immer stärker werdenden Einfluss des französischen Königs Philipp IV. Clemens, selber Franzose, widersetzte sich nicht mehr diesem Einfluss. Dies verdeutlicht sich unter anderem in seinem Agieren während der Verfolgung und Auflösung des Templerordens. Auch nahm Anfangs des 14. Jahrhunderts die Macht der römischen Adligen dermaßen zu, dass die Päpste weitgehend mit innerrömischer Politik gebunden waren. Das Ausweichen unter Clemens V. nach Avignon war zunächst eher temporärer Natur. Er wechselte noch häufig seine Residenzorte - Avignon spielte noch nicht die Rolle, die es bald einnehmen sollte. Nebenbei: Clemens V. findet sich noch heute in der Weingeschichte indirekt wieder. Er besaß, als er noch Erzbischof von Bordeaux war, ein Weingut, das er dann als Papst dem Erzbistum übereignete. Dieses Weingut existiert noch immer und heißt Château Pape Clement.
Unter Clemens V. Nachfolger, Papst Johannes XXII., begann der wirkliche Ausbau Avignons zur päpstlichen Residenz. Von nun an kann man das „avignionesische Exil“ als fest betrachten. Dieser war es auch, der Châteauneuf seit 1318 zur päpstlichen Sommerresidenz ausbauen ließ. Auch das Anpflanzen von Wein ist für diese Zeit belegt.

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Wein spielte eine wichtige Rolle. Natürlich ist er ein unersetzliches Element der christlichen Liturgie. Dies sorgte dafür, dass im Mittelalter überall wo das Christentum Verbreitung fand auch Wein angebaut wurde. Der Weinbau reichte daher bis nach Irland und Skandinavien. Aber noch wichtiger als seine liturgische Bedeutung war seine Rolle als Lebensmittel. Wasser war bis weit in die neueste Zeit hinein ein gefährliches Getränk, da es von Keimen verseucht, Krankheiten schnell verbreitete. Ein Hof wie der päpstliche in Avignon brauchte daher große Mengen Weines. Einerseits für die am Hof lebenden Personen und deren Bedienstete - hierfür war das Wein- und Brotamt zuständig - andererseits benötigte das Almosenamt ebenfalls große Mengen Weins. Die kuriale Verwaltung führte über die Einfuhren von Gütern, Lebensmitteln und Wein genau Buch. So ist heute noch ersichtlich, woher die Kurie ihren Wein bezog. Dank der Habilitation von Stefan Weiß über „Die Versorgung des päpstlichen Hofes in Avignon mit Lebensmitteln (1316-1378)" kann man leicht diese Einkäufe nachverfolgen. Die Kurie bezog den mit Abstand größten Teil ihrer Weine aus der Provence und dem östlichen Languedoc. Beaucaire, Nîmes, Lunel, später auch Valence, werden häufig aufgeführt. Aber auch nördlichere Anbaugebiete beliefern den Hof, so u.a. Saint-Pourçain. Seit Papst Clemens VI., er war von 1342 bis 1352 Papst, wurde intensiv Wein aus dem Burgund bezogen. Der burgundische Wein  galt damals als der beste Wein und diente ausschließlich exklusivem Konsum. Hierauf basiert auch die Anspielung Petrarcas, dass die Päpste nur wegen des Weines aus Beaune nicht nach Rom zurückkehrten. Aber die Listen zeigen, dass Wein explizit aus Châteauneuf keine Rolle spielte.

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Die Weine aus Châteauneuf-du-Pape gibt es unter dieser Bezeichnung erst seit dem 19. Jahrhundert. Bis dahin firmierten sie als Vin d’Avignon. Einige Erzeuger dieser Region können aber über eine jahrhundertelange Weinbautradition mit großer Reputation zurückblicken - z.B. das Château de Beaucastel. Die im 19. Jahrhundert innerhalb Frankreichs gestiegene Reputation der Weine aus Châteauneuf nahm mit der Reblauskatastrophe ein jähes Ende. 1923 schaffte Baron Le Roy vom Château Fortia es mit Unterstützung von weiteren Winzern ein Reglement für die Weine aufzustellen, das als Vorläufer des AOC-Reglements gilt. Erst jetzt begann langsam der bis heute anhaltende Erfolg des Weinbaugebiets. Noch 1959 betonte der englische Schriftsteller und Verfasser wichtiger Weinbücher Alec Waugh in seinem Buch „Praise of Wine“, dass es zwar gute Erzeuger in Châteauneuf-du-Pape gebe, dass Anbaugebiet aber keinesfalls zu den bedeutenden der Welt gehörte. Zur Ehrenrettung muss hinzugefügt werden, dass er nur vier Anbaugebiete als wirklich groß bezeichnete: Burgund, Bordeaux, Mosel, Rhein.
Wahrscheinlich spielte Robert Parker die wichtigste Rolle für den weltweiten Siegeszug von Châteauneuf-du-Pape. Leider sorgte sein Einfluss auch für ein massives ansteigen der Preise.

Eine Beaucastelvertikale mit Matthieu Perrin

Die Weine aus Châteauneuf-du-Pape sind nicht leicht in ein Raster zu stecken, wie die manch anderer Anbaugebiete. Bis zu 13 Rebsorten dürfen für die Rotweine verwendet werden. Manche Erzeuger verwenden nur eine Rebsorte, wie das Château Rayas, dessen Châteauneuf aus Grenache gekeltert wird. Das Château de Beaucastel hingegen nutzt sämtliche 13 Rebsorten. Dadurch können jedes Jahr Weine erzeugt werden, die in ihrer Individualität doch immer wieder typische Beaucastelweine sind. Das 1909 von Pierre Tramier erworbene Weingut ging an seinen Schwiegersohn Pierre Perrin über und bis heute ist es im Besitz der Familie Perrin.
Vor kurzem hatte ich die Möglichkeit an einer Vertikalverkostung von Beaucastel-Weinen mit Matthieu Perrin teilzunehmen. Hier wurde deutlich, wie trotz der Jahrgangsunterschiede sich doch eine typische Beaucastel-Handschrift in der Stilistik wiederfand.

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Château de Beaucastel Châteauneuf-du-Pape rouge 2001

Dichte Nase nach roten und dunklen Beeren, leichte Reifenoten. Weiche, süße Frucht, etwas eingekochte rote Beeren, Pflaume und etwas nussig. Tannine eingebunden, leichte Säurestruktur. Ein großartiger Châteauneuf, nahe seinem Höhepunkt.

Château de Beaucastel Châteauneuf-du-Pape blanc 2002

Das Jahr 2002 erbrachte nicht die notwendige Qualität im Lesegut, so dass kein roter Châteauneuf gekeltert wurde. Dunkel goldgelbe Farbe, Honig, würzig, dezente Holznoten. Dicht und beinahe schon ölig, trotz geringer Säure eine angenehme Frische. Nussig und Noten von Orangenschale. Man sollte definitiv häufiger weißen Châteauneuf trinken - wäre er nur nicht so teuer…

Château de Beaucastel Châteauneuf-du-Pape rouge 2003

Typisch für den heißen Jahrgang 2003: marmeladige rote Früchte, Pflaumen, wirkt eingekocht. Nur wenig Säure und Tannine. Brombeernoten, rote Beeren. Wirkte leicht alkoholisch. Ein Wein, der schleunigst getrunken werden sollte, denn zum wegschütten ist er viel zu gut.

Château de Beaucastel Châteauneuf-du-Pape rouge 2004

In diesem Jahrgang dominieren die Garriguenoten, wo sonst die Frucht im Vordergrund steht. Dunkle Beeren und Pflaume. Eine dezente Säure verleiht ihm eine angenehme Frische. Er wirkt nicht so schwer. Noch deutliche Tanninstruktur. Ein würziger Châteauneuf, der noch Zeit verträgt und bestimmt gerne zum Essen getrunken werden will. Ich war begeistert.

Château de Beaucastel Châteauneuf-du-Pape rouge 2005

Warmer Jahrgang also viel Frucht. Rote Früchte dominieren die Nase, nur dezente Noten von dunklen Beeren und der typischen Garrigue-Kräuternoten. Voll, üppig, fruchtig. Tannine und Säurestruktur stützen den Wein noch für ein paar Jahre.

Château de Beaucastel Châteauneuf-du-Pape rouge 2006

Wieder ein nicht ganz so heißes Jahr. Die Frucht ist stärker von dunklen Beeren geprägt, würzig - aber nicht so ausgeprägt wie 2004. In diesem Jahrgang trat der Fassausbau am stärksten hervor, Noten von Holz und Tabak. Sehr vollmundig und eine prägnante Säurestruktur. Ein Wein der noch ein paar Jahre Zeit braucht, und dann - zumindest mir - großartig schmecken wird.

Château de Beaucastel Châteauneuf-du-Pape rouge 2007

Wieder einer der großen gehypten Jahrgänge. Damit wieder ein Fruchtmonster. Rotbeerig, aber mit leichten Lakritznoten. Dieser Wein ist viel zu jung. Weglegen, vergessen, in ein paar Jahren noch mal probieren. Er wird definitiv ein Wein für Freunde des massiven Weins sein.

Meine Erkenntnis des Abends war nicht nur, dass Châteauneuf viel Spaß macht - obwohl, das wusste ich eigentlich schon vorher. Die Weine des Château Beaucastel haben mich völlig überzeugt. Leider sind sie nicht ganz billig - eher das Gegenteil. Ich habe für mich festgestellt, dass ich kein Freund der großen Jahrgänge bin - die Weine aus 2006 und besonders 2004 gefielen mir dank ihrer Dunkelbeerig- und Kräuterigkeit am besten. Aber das galt natürlich nicht für jeden Teilnehmer an diesem Abend. Wie immer gilt, selber rausfinden und nicht auf andere hören. Also: meine Anmerkungen gleich wieder vergessen.

 

Literatur:

Weiß, Stefan: Die Versorgung des päpstlichen Hofes in Avignon mit Lebensmitteln (1316-1378). Studien zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte eines mittelalterlichen Hofes, Berlin 2002.

Waugh, Alec: Praise of Wine, London 1959.

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Levante, MWs und mehr - Ein persönlicher Rückblick auf die ProWein

Was kann man schon über die ProWein sagen, eine Messe, die an drei Tagen kaum zulässt, sich auch nur einem Bruchteil der Möglichkeiten zu widmen. Ein Fazit kann immer nur ein subjektives sein. Daher hier der Blick aus meiner Warte, auf meine Erlebnisse:

Noch nie habe ich mich auf der ProWein so wenig dem deutschen Wein gewidmet, wie in diesem Jahr. Das was ich verkostet habe, war schwankend - 2010 war weder eine Katastrophe, noch ein Jahr, das generell eine Segnung war. Die Basisrieslinge sind deutlich von der Säure geprägt, eine Frucht manchmal kaum zu finden. Meist unschön. Aber schon bei etwas besseren Qualitäten beginnt der Jahrgang recht schöne bis hin zu großartigen Rieslingen hervorzubringen. Hier schmeckt man die Reife des Lesegutes gepaart mit einer Säurestruktur, die 2009 manchmal fehlte. Bei den Burgunderrebsorten ist die Säure richtig belebend, die Weine wirken nicht so breit. Die machten weitgehend Hoffnung.
Aber Deutschland spielte ja auf „meiner“ ProWein nur eine mäßige Rolle. Ausgiebiger widmete ich mich den Weinen der Levante. Wie jedes Jahr überzeugten die Weine von Clos St. Thomas aus dem Libanon. Sehr gute Qualität zu moderaten Preisen. Dieses Jahr konnte man dazu noch die Weine der berühmtesten libanesischen Kellerei am FEINSCHMECKER-Stand verkosten: Chateau Musar. Ich war mir nicht bewusst, dass dieses Weingut sogar Weißwein keltert - was aber auch nicht verwunderlich ist, bekommt man die Weine von Chateau Musar ausgesprochen selten in Deutschland.

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Da der Libanon an Israel grenzt, ist es naheliegend, auch deren Weine zu verkosten. Die Qualitäten waren durch die Bank ordentlich, meist etwas eingekocht und marmeladig in der Stilistik. Wer fette Weine mag, fühlt sich hier wohl. Natürlich kann man dies nicht verallgemeinern. Die Weine des Weinguts Margalit zum Beispiel haben mich sehr beeindruckt. Neben der Topcuvée Enigma besonders der Cabernet Franc. Keine unreifen Paprikanoten, klassische Frucht mit etwas Graphit - sortentypisch. Doch musste ich später feststellen, dass diese Weine leider unheimlich teuer sind. Und das ist nicht gerechtfertigt.
Die größte Überraschung bot die Türkei. Zugegeben, die Basisweine taugten alle nicht sehr viel. Aber was in der Spitzenqualität aus autochthonen türkischen Rebsorten - in diesem Fall Öküzgözü und Bogazkere - für Weine entstehen, das hat mich beeindruckt. Schwer, dunkelbeerig und unheimlich eigenständig. Kayra ist ein Name, den man sich merken sollte.

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Neben den Verkostungen bei Winzern habe ich dieses Jahr auch einmal Veranstaltungen besucht. Dies zu tun ist eigentlich Wahnsinn, man verliert dabei so viel Zeit, man kann sie nicht mehr aufholen - so habe ich es nicht einmal geschafft, eine der vielen Weinbloggerveranstaltungen zu besuchen. Interessant waren zwei geleitete Verkostungen. Der Master of Wine Markus del Monego präsentierte Weine Südfrankreichs. Außerdem besuchte ich die Verkostung von Master Sommelier Hendrik Thoma zum Thema Beaujolais. Während Markus del Monego klassisch im Stile eines Sommeliers die Weine vorstellte, sie immer wieder in Verbindung mit Speisen brachte, die blumige Sprache die er nutzte, das war sehr klassisch. Hendrik Thoma dagegen ging bei seiner Präsentation deutlich stärker auf die Region ein und nutzte Weine eher als Beispiele. Er versuchte eher eine andere Sprache, als die des Sommeliers zu nutzen. Er versuchte stärker mit Humor und „Lockerheit“ die Weine zu beschreiben. Thomas Stil war sehr von der Web-Welt geprägt. Zwei sehr unterschiedliche Präsentationsformen, die zeigen, wie vielschichtig Wein vermittelt werden kann.

Die Veranstaltung, die aber den nachhaltigsten Eindruck hinterließ, war eine „Schnupper“-Masterclass des Institute of Masters of Wine. Während eineinhalb Stunden wurde eine etwas eingedampfte Master of Wine-Verkostungsabschlussprüfung durchgeführt. Es nötigt einem noch mehr Respekt ab, wenn man quasi erlebt hat, wie hart die Prüfung ist. Ein guter Sensoriker zu sein reicht nicht, es braucht dazu ein breites Wissen, dass man für die Analyse der Weine abrufen muss. Nach einer solchen Masterclass ist man ausgesprochen beeindruckt. Mein ProWein-Highlight.

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Die vielleicht längste Veranstaltung während der ProWein gehört überhaupt nicht zu dieser Messe, sondern findet nur parallel statt. 5 Stunden hatte man - bei separater Anmeldung bei UbiFrance - die Möglichkeit, die Weine der Union des Grand Cru de Bordeaux zu des Jahrgangs 2008 zu verkosten. Hierzu an anderer Stelle mehr - nur so viel sei gesagt, es scheint, folgt man zumindest Robert Parker James Suckling und Co, nur noch große oder schlechte Jahrgänge zu geben. Das stimmt aber nicht, 2008 ist einfach nur durchschnittlich.

Ach ja und zu guter Letzt: Da gab es noch den Winepunk… Yeah!

Besser spät als nie - eine besondere Spätlese in der Weinrallye #43

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Bis 1925 hieß Brauneberg noch Dusemond, ein Name, der mehr verrät, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Dieser Name beinhaltet nicht nur eine historische Komponente, sondern sagt auch viel über das Wesen der dortigen Weine aus. Wie eine im Zuge der Flurbereinigung Anfang der 1990er Jahre entdeckte römische Weinkelter am Fuße der Juffer Sonnenuhr die antiken Wurzeln der Lage greifbar macht, so reicht auch der Name Dusemond zurück ins Römische Reich - er leitet sich von dem lateinischen Namen „dulcis mons“ ab: der süße Berg. Schon vor fast 2000 Jahren war möglicherweise die Süße der Weine stilprägend.

Seit der Antike wird also hier Wein angebaut und die Wertschätzung der Brauneberger Juffer - von der erst später die Lage Juffer Sonnenuhrabgeteilt wurde - blieb stets groß. Nicht nur Thomas Jefferson und später Theodor Fontane schätzten die Weine. Als die linksrheinischen Territorien unter napoleonische Herrschaft fielen, wurden um 1804 die dortigen Weine nach französischem Vorbild klassifiziert. Die Brauneberger Juffer wurde in die I. Klasse aufgenommen - galt damit quasi als Grand Cru. Auch wenige Jahrzehnte später, die Mosel war nun preußisches Territorium, wurde eine erneute Klassifizierung vorgenommen - diesmal besonders aus fiskalischen Gründen. Der königliche Kataster-Inspektor Steuerrat Clotten nahm die Brauneberger Juffer in die höchste Wertstufe auf. Und auch heute ist die Brauneberger Juffer Sonnenuhr als Erste Lage durch den Verband Deutscher Prädikatsweingüter klassifiziert.

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Bild: Weingut Fritz Haag

Wie wurde aber aus dem dulcis mons eine Juffer bzw. Juffer Sonnenuhr? Für den Namen Juffer gibt es zwei Erklärungen. Die erste lautet, ein Winzer hätte seine Töchter lieber im Weinberg arbeiten lassen, als sie zu verheiraten – sie blieben also Jungfern bzw. Juffern. Von dieser Geschichte gibt es selbstverständlich diverse Variationen. Die zweite Erklärung führt den Namen auf die Nonnen des Franziskanerklosters in Filzen zurück, die im Brauneberg Weinberge besaßen. Mag erstere Erklärung schöner klingen, erscheint die zweite doch deutlich plausibler. Umso einfacher ist die Erklärung für den zweiten Namensteil - er bezieht sich auf die inmitten der Lage befindliche Sonnenuhr.

Die Brauneberger Juffer Sonnenuhr umfasst 10,25 Hektar und ist nach Süden bis Südwesten ausgerichtet. Der Verwitterungsboden hat einen Anteil von 60-80% an Devonschiefer, teilweise von Lehm durchwirkt. Dieser sorgt für eine gute Wasserspeicherung, was bei einer Hangneigung von rund 70% von Vorteil ist. Die Lage wirkt durch ihre topographische Struktur wie ein Hohlspiegel, so dass die Sonnenwärme hervorragend eingefangen wird. Neigung und Form erzeugen so ein besonderes Mikroklima.

Nicht nur der Weinberg hat eine weit in die Zeit zurückreichende Geschichte, auch so manches Weingut hat sehr alte Wurzeln. Das Weingut Fritz Haag - Dusemonder Hof kann auf eine über 400jährige familiäre Weinbaugeschichte zurückblicken. Zudem begegnen einem  im Namen des Weinguts wieder die Wurzeln des Weinbaus in der römischen Antike. Nicht alle Weine aus den zwei Hektar Besitz in der Juffer Sonnenuhr werden restsüß ausgebaut – natürlich finden sich auch trockene Weine. Doch bei dieser Weinrallye stehen die Spätlesen im Mittelpunkt und diese sind - ganz dem duclis mons verpflichtet - restsüß.

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Die Weine:

Fritz Haag Brauneberger Juffer Sonnenuhr 2009:

Zunächst ist die Nase etwas verhalten, was sich aber mit etwas Luft ändert. Es finden sich Noten von Kräutern, Grapefruit und tropischen Früchten, wie Kumquat und Mango. Dazu auch etwas Florales. Der Wein ist sehr frisch und von einer leicht cremigen Viskosität. Die Säure ist recht präsent und harmoniert mit der Süße des Weins. Noch finden sich leicht hefige Noten. Es kommen zu dem Geschmacksbild noch nussige Aromen hinzu. Er erinnert in diesem sehr jugendlichen Stadium etwas an Orangina – man kann ihn auch genauso gut trinken. :) Dieser Wein braucht mindestens noch fünf Jahre, bevor man ihn wirklich trinken sollte.

Fritz Haag Brauneberger Juffer Sonnenuhr 2006:

Leider brauchte ich zwei Flaschen dieses Weins, da die erste einen Korkfehler hatte. Die zweite Flasche war dann in Ordnung, doch war der Korken völlig vom Wein durchzogen. In der Nase präsentiert sich der 2006er ganz anders als der 09er. Noten von Honig, Quitte, Mandeln und Grapefruitzesten finden sich. Der Wein hat eine frische Säure, die die Süße des Weins sehr gut ergänzt. Er wirkt recht mineralisch. Noch immer ist dieser Wein zu jung, das leicht ölig wirkende Mundgefühl lässt die Süße etwas aufdringlich wirken. Mit viel Luft legt sich dies ein wenig. Der 2006er beginnt langsam Spaß zu machen, sollte aber noch etwas liegen.

Fritz Haag Brauneberger Juffer Sonnenuhr 2005:

Dieser Wein braucht viel (!) Luft. Der Wein hat eine sehr intensive leicht unharmonische Nase, es finden sich Noten von Wildhonig, Kräutern, Quitte und Petrol. Mit der Zeit harmonisiert sich das Geruchsbild, die Petrolnoten verfliegen, die Quitte nimmt zu, die Honignoten etwas ab. Zunächst präsentiert sich der 2005er ölig und etwas breit. Es ist kaum Säure wahrnehmbar, dafür eine sehr vordergründige Süße, die ihn auch recht kurz im Nachklang wirken lässt. Wenn der Wein etwas länger belüftet wurde, verändert er sich komplett. Die Säure kommt stärker hervor, die Süße wirkt elegant, die Textur wird cremiger. Quitte und nussige Noten werden durch Zitrus- und Steinobstaromen ergänzt. Er zeigt kaum Reifetöne und hält nun sehr lange nach. Dieser Wein ist jetzt  beeindruckend, hat aber noch viel Potential.

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Blogger auf der ProWein 2011

Nachdem 2010 erstmals Weinblogger sich für die ProWein akkreditieren konnten und die Möglichkeit bekamen, das Pressezentrum zu nutzen, geht es im Jahr 2011 noch einen Schritt weiter. Neben der Möglichkeit, sich der Infrastruktur des Pressezentrums – in Form von W-LAN, Infomaterial, Snacks etc. – zu bedienen, werden, wird es zusätzlich einen „Blogger Space“ auf der Empore in der Halle 6 geben. Dort stehen täglich um 11 Uhr Pressemitarbeiter der ProWein für Fragen zur Verfügung.
Des Weiteren finden im Rahmen der ProWein einige Veranstaltungen für Blogger statt:

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Zur ProWein lädt der VDP Blogger zu individuellen Gesprächen  in Halle 4 G 27. Für weitere Informationen und die Anmeldung bitte mit Melanie Stumpf vom VDP Kontakt aufnehmen.

Das Deutsche Wein Institut bietet am Sonntag, 27. März um 15.30 Uhr die Veranstaltung "Let's Blog!" am DWI-Stand in Halle 4, G 86 an.

Ferner sind folgende Termine auf der ProWein exklusiv für Blogger reserviert, Ansprechpartner hierfür ist Michael Pleitgen von der Weinakademie Berlin:

Sonntag 27.03.2011:

12.00 Uhr: Treffen mit Sue Birch Geschäftsführerin WOSA/Das neue Siegel für Nachhaltigkeit aus Südafrika, Halle 6 H60 / 80 Grüne Zone

14.00 Uhr: Sud de France - Marke und Internet / Erfahrungen der Online-Verkostung 2010, Halle 5 C 90 

16.00 Uhr: Wine and Food pairing bei California Gourmet Ghetto, Halle 6 E 80

Montag 28.03.2011:

10h00: Alois Lageder stellt den Bloggern seine Demeter Weine vor, Halle 3 H130

17h30: Print meets Blogs mit Carsten Henn / Rudolf Knoll, Halle 4 VINUM Stand

 

Es ist erfreulich, dass die ProWein sich soweit den Bloggern öffnet. Leider hat diese Entwicklung noch immer  nicht die gesamte deutsche Weinwelt erreicht. Wenn man sich Deutschland hier im internationalen Vergleich ansieht, gibt es noch viel zu tun. Der von der ProWein eingeschlagene Weg ist mehr als begrüßenswert!

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Posted March 4, 2011

Der VDP auf großer Tour

Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) zieht im Moment durch einige Metropolen Deutschlands und präsentiert in luxuriösem Ambiente seine aktuellen Großen Gewächse (GG) aus den Jahrgängen 2009 (Weißwein) bzw. 2008 (Rotwein). In Köln, wo ich die Gelegenheit zu einem Besuch nutzte, präsentierten sich die Winzer im eleganten Excelsior Hotel Ernst. Die Location vermittelte unmittelbar das Gefühl, dass es sich weniger um eine Werk- und Leistungsschau handelte, als eher der Selbstvergewisserung diente, die Aristokratie des Weinbaus zu sein. Auch die Tatsache, dass die Großen Gewächse wahrlich keine absatzfördernde Werbung mehr nötig haben, unterstreicht, dass diese Veranstaltung - nur für Fachbesucher zugänglich - eher repräsentativer Natur ist. Dies wurde auch dadurch belegt, dass nach rund einer Stunde ein sinnvolles Verkosten nur mehr schwer möglich war. Die Räume waren überfüllt, die Luft abgestanden und von Parfum und Aftershave geschwängert.

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Daneben hat die Tour natürlich auch einen greifbaren Mehrwert. Nach den diversen Präsentationen im letzten Jahr, so z.B. in Wiesbaden, Berlin oder Kloster Eberbach, besteht nun mit einigen Monaten Abstand die Möglichkeit, die GGs erneut zu verkosten und zu überprüfen. Es zeigte sich, dass sich die meisten Weine vortrefflich entwickelt haben. Gerade die Rieslinge veranschaulichten, was in diesem Jahrgang möglich war - wenn man die Möglichkeiten nutzte. Leider wurde aber auch deutlich, dass es eine sehr kleine Minderheit an Winzern im VDP gibt, die recht mittelmäßige Weine präsentierten. Hier stehen dem VDP die eigenen Statuten im Weg. Denn ist nicht alles, was der Aristokratie nominell zugezählt wird, ist auch aristokratisch - ein Phänomen, dass nicht nur in der Weinwelt zu finden ist.

Wirkliche Überraschungen gab es aber nicht. Die Weine, die schon seit langem als die Besten des Jahrgangs gehandelt wurden, bestätigten diese Einschätzung auf beeindruckende Art und Weise. Daher möchte ich an dieser Stelle kein Weingut explizit herausheben, denn dies würde die automatisch und ungerechterweise die Leistungen der anderen Winzer schmälern. Im Allgemeinen wurde aufgezeigt, dass Weine aus Deutschland nicht nur international locker mithalten können, sondern in Teilen zur internationalen Spitze gehören. So kann man als Resümee der VDP Tour konstatieren: der Weg stimmt, die Zukunft wird erfreulich sein.

Die Rückfahrt mit Freunden bot dann noch einmal die Chance, zwei GGs in eher plebejischem Ambiente zu trinken - in der überfüllten 2. Klasse eines Regionalexpress. Es zeigte sich, dass wahre Aristokraten auch in einfacher Umgebung überzeugen können. Der wirkliche Härtetest auf einer etwas anderen Tour.

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Ein Master Sommelier im Härtetest

Kulinariamagazine füllen gerne ihre Seiten und Tageszeitungen ihre Gastrorubriken  mit Rezepten und dazugehörigen Weintipps. Manchmal sind die Rezepte so kompliziert, dass das Nachkochen bereits an der nötigen Küchenausrüstung scheitert - und wer findet schon die angegebenen Weine bei seinen Weinhändlern? Aber wenn sich schon die Möglichkeit bietet, dann sollte man auch den Test wagen.

Das Magazin DER FEINSCHMECKER präsentierte in seiner Weihnachtsausgabe 10 Gerichte und ließ jeweils einen Sommelier zehn dazu passende Weine empfehlen. Dies alles unter dem etwas fragwürdigen Cover-Aufmacher: „100 Lieblingsweine“. So musste Master Sommelier Hendrik Thoma zehn Weine zu Würstchen und Kartoffelsalat empfehlen und machte direkt mit zwei Bierempfehlungen aus 100 Lieblingsweinen nur mehr 98. Da ich zufälligerweise einen der Weine vorrätig hatte, nutzte ich die Gelegenheit: der Master Sommelier musste durch den Härtetest!

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Eine Weinempfehlung von Hendrik Thoma war der 2001er Riesling 2 von Dirk Würtz. Ein kantiger Wein. Reifenoten und gelbe Früchte dominieren die Nase, auf der Zunge ist eine markante Säure präsent. Kein Schmeichler. Kein Wein zum gemütlichen Trinken. Dieser Wein will und braucht ein Essen - und dieses Essen muss ausreichend Kraft haben, um bestehen zu können. Können dies Würstchen und Kartoffelsalat leisten? Glücklicherweise erübrigte sich die Frage nach der Zubereitungsart - erstens, da der Rezepthinweis zur Feinschmeckerhomepage nur sehr versteckt zu finden war (und von mir zu spät gefunden wurde), zweitens ist ein Kartoffelsalat mit Mayonnaise meines Erachtens ein kulinarisches Verbrechen. Also mit Essig und Öl.
Diese Zubereitungsart war richtig. Es war toll zu sehen, wie Wein  und Essen harmonierten. Essig und Dijonsenf ließen die dominante Säure des Rieslings in den Hintergrund treten. Das Aromenspektrum des Rieslings explodierte geradezu. Gleichzeitig gewann der Kartoffelsalat durch den Wein an Finesse. Gerade die robuste Stilistik des Weines passte gut zu diesem Gericht. Solch ein Gericht braucht einen Wein mit Rückgrat. Die beiden harmonieren - ein gutes Paar.

Wer also denk: „Wozu braucht man schon einen Sommelier? Ich weiß doch, welche Weine ich mag.“, der sollte auch einmal einen solchen Versuch starten. Denn die Kombination von Wein und Speise eröffnet eine neue kulinarische Erfahrungswelt - jenseits der einzelnen Komponenten.

Ach ja, Härtetest bestanden. Tester beeindruckt und glücklich.

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Sterne, Kochmützen, Punkte: Dortmund und zwei Restaurantführer 2011

Eine Geschichte von Aufstieg, Fall, Neubeginn und Ignoranz

Sterne strahlen nicht nur vom Firmament auf eine Stadt. In manchen Fällen strahlen sie aus einem Buch. Dem Guide Rouge von Michelin. Wenn man Sterne-gekrönte Restaurants in einer Stadt vorfindet, bedeutet dies Prestige und Gastro-Tourismus.

Vor einigen Jahren war auch Dortmund eine Sterne-erleuchtete Stadt. Oben auf der Hohensyburg, unweit des Kaiser Wilhelm Nationaldenkmals kochte im „La Table“ Thomas Bühner. Zwei Sterne hatte er und wurde bereits zu dieser Zeit als potentieller Kandidat für den dritten Stern gehandelt (was sich übrigens nicht geändert hat). Und in der 1913 erbauten Gartenstadt kochte, mit einem Stern versehen, Mario Kalweit im „La cuisine d’art manger“ – das mittlerweile „La cuisine Mario Kalweit“ heißt. Dortmund war damit durchaus eine kulinarische Adresse in Deutschland. Auch irgendwie angemessen – Dortmund war ja die sechstgrößte Stadt der Republik.
Mittlerweile ist Dortmund die siebtgrößte Stadt Deutschlands und hat keinen Stern mehr. Dies hat aber ursächlich nichts mit einem kulinarischen Verfall zu tun, sondern rein ökonomische Gründe. Sternerestaurants sind ja bekanntlich in den allermeisten Fällen Zuschussunternehmen. So trennte sich der damalige Besitzer vom „La cuisine d’art manger“ und nach Zank  übernahmen der Koch Mario Kalweit und die Restaurantleiterin Susanne Thoenes das Restaurant. Leider verlor im Rahmen des Besitzerwechsels das Restaurant seinen Stern. Es behielt aber im Gault Millau zunächst seine hohe Punktzahl. Das „La Table“ hatte eine schlechtere Zukunft. Nach Unstimmigkeiten mit dem Investor und Casino-Betreiber auf der Syburg verließ Thomas Bühner Dortmund, um von nun an im Osnabrücker „La Vie“ zu kochen - und behielt seine zwei Sterne. Das „La Table“ wurde geschlossen. Der Umzug Bühners fand ein Medienecho, so produzierte der WDR eine Reportage darüber, in der auch der zuständige Tester des Gault Millau zu Wort kam. Der Gault Millau Tester fasste im WDR den Weggang Bühners von Dortmund mit den Worten zusammen, dass man von nun an kulinarisch einen Bogen um die Stadt machen könne. Obwohl er selbst doch das „La cuisine d’art manger“ immer hoch bewertete.  Auf beinahe wundersame Art verlor nach diesem Interview das Restaurant im folgenden Gault Millau einige Punkte, um sich mit 13 Punkten wertungstechnisch im kulinarischen Mittelfeld wiederzufinden. Da mussten den großen Worten wohl Taten folgen?!

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Bild: travel-house-media.de

Seit dieser Zeit taten sich die Restaurantführer schwer mit Dortmund. (Den Feinschmecker lasse ich hier beiseite, denn dessen Benotungen sind keine Bewertungen, sondern scheinbar eine persönliche Abrechnung mit der Stadt). Die erwähnten Restaurants blieben in den Guides von nun immer dieselben; es fiel auf, dass sich ein paar Jahre wohl kein Restauranttester mehr nach Dortmund begeben hatte. Denn es passierte in den folgenden Jahren kulinarisch etwas in der Stadt. Nichts zwingend Sterneverdächtiges, aber dennoch Beachtenswertes. Die Qualität des „La cuisine Mario Kalweit“ ist seit langem nach den ökonomischen Querelen und den daraus folgenden Aufbauzeiten in ruhigem Fahrwasser und auf altem hohen Niveau, die Westfalenhallen leisten sich im Fernsehturm Florian das Gourmetrestaurant „Florians“, in dem erst Sascha Heitfeld und nun der junge, aufstrebende Dennis Rother kocht. Sascha Heitfeld wechselte ins Pullman-Hotel der Sofitel-Gruppe, dem ersten dieser Art in Deutschland, und betreibt dort das „George Fine Dine“.
Solche Restaurants müssen sich natürlich erst einmal etablieren, um von der Kritik wahrgenommen zu werden. Endlich ist wieder mal ein Restauranttester nach Dortmund gekommen. In der Ausgabe 2011 des Guide Michelin sind neben Kalweit auch erstmals das „Florians“ und das „George“ erwähnt. Neben diesen finden sich selbstverständlich noch weitere Restaurants im Michelin.

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Bild: Gault Millau

Doch dann der Gault Millau. Er vermerkt für die mittlerweile nur mehr siebtgrößte Metropole Deutschlands und große Messestadt ein (!) Restaurant und ein (!) Hotel. Das Restaurant ist das „La cuisine Mario Kalweit“, das weiterhin nur 13 Punkte hat. Diese Restaurant-Bewertung aber besonders das Fehlen weiterer Restaurants zeigt deutlich, dass der Restauranttester des Gault Millau versucht, seine eigenen Worte wahr werden zu lassen: Er macht einen Bogen um Dortmund und weiß daher nicht, was sich dort ändert. Ansonsten hätte er ja unrecht.
Es stellt sich nun die Frage, wie häufig solch zweifelhaftes Handeln in Restaurantführern vorkommt? Mir fiel es für Dortmund auf, aber ist es in anderen Städten eventuell ähnlich? Der Gault Millau hat sich auf diese Weise unglaubwürdig gemacht. Ein solcher Restauranttester ist eine Zumutung. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass die großen Guides z.B. vom Michelin lernen. Hier sind die Tester meist unbekannt und besitzen selber berufliche Erfahrung in der Gastronomie. Beim Gault Millau sind es „gelernte Feinschmecker. Das sind sie nicht im Sinne eines Lehrberufs, den es auch gar nicht gibt, sondern aus ihrer Erfahrung heraus. Sie müssen, um eine Küche und ein Restaurant kompetent und vorurteilsfrei im Sinne des anspruchsvollen Gastes beurteilen zu können, mindestens tausendmal in unterschiedlichsten Restaurants in Deutschland und anderen kulinarischen Ländern gewesen sein und dabei gleichsam ein Reihenhäuschen verfressen haben.“  (siehe hier). Ob dies nun der richtige Weg ist? Man kann und sollte darüber streiten. Schlimm wird es besonders dann, wenn das verfressene Reihenhäuschen die eigene ‚Unfehlbarkeit‘ sanktioniert.


Beruhigend ist, dass es in Dortmund mittlerweile wieder eine große kulinarische Bandbreite gibt. Es wäre schön, wenn sich dies herumspräche. Sicher gibt es noch viel zu tun, das Potential ist bei weitem noch nicht erschöpft. Und solange kann sich die westfälische Metropole daran erfreuen, dass die Sterne weiterhin am Firmament strahlen.

Riesling undressed - Der "Mein Wein" in der #twv

Deutscher Wein ist auch nicht mehr das, was er noch vor einigen Jahren war. Da war er oft von eher mäßiger Qualität, vom Image her angestaubt und hatte eine Zielgruppe, die teilweise so alt war, wie das Design vieler Weinetiketten. Mittlerweile hat sich das glücklicherweise geändert. Die Qualität hat zugenommen, man bekommt für einen fairen Kurs guten Wein und auch das Image ist entstaubt. Es kann auch cool sein, deutschen Riesling zu trinken. Ein Beispiel:

Um einen Wein für ein jüngeres und weinunerfahrenes Publikum attraktiv zu machen, braucht man einen nackten, tätowierten Winzer, eine erfolgreiche skandinavische Comiczeichnerin und etwas Karton (weiteres zum Background hier). Das sieht dann so aus:

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Nun ist es naheliegend, dass ein ansprechendes und zielgruppenorientiertes Design einen Erstkauf positiv beeinflusst. Um letztendlich Konsumenten zu binden, muss aber das Gesamtprodukt überzeugen - in diesem Fall also auch der Riesling.

Im Glas präsentiert sich der "Mein Wein" von Dirk Würtz goldgelb, in der Nase recht ausgeprägt und kraftvoll. Fruchtige Aromen von Pfirsich und Aprikose, dazu etwas Orangenblüten. Daneben finden sich Kräuternoten und Aromen von grünem Tee. Er entwickelt sich an der Luft sehr schnell, mal tauchen Noten von Stroh auf, dann erinnert er etwas an Erdnuss. Am Gaumen ist er trocken, von mittlerer Säure. Er hat einen ziemlich ausgeprägten Körper und wirkt sogar etwas cremig. Das Aromenspektrum ist auch hier recht vielschichtig. Fruchtige und pflanzliche Aromen dominieren.

Es ist beeindruckend was man für einen Wein in dieser Bag in Box vorfindet. Rechnet man den Preis in einen Flaschenpreis um, dann liegt dieser bei knapp unter 5 Euro. Häufig bekommt man in dieser Kategorie banale, eindimensional auf Frucht getrimmte Rieslinge, die nicht die geringste Komplexität vorweisen können. Hier das Gegenteil - und das noch in Bio. Wenn konsequent auf diesem Niveau Wein produziert würden, müsste man sich fast Sorgen um die Absatzmöglichkeiten für höherpreisige Weine machen. :-)
Nicht, dass jetzt Missverständnisse entstehen: dies ist kein Grand Cru, aber Grand Spaß. Das Gesamtpaket aus Design und Inhalt ist einfach stimmig.

Seinen Härtetest durchlief der „Mein Wein“ am Montag in der Twitter Weinverkostung #twv. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ein Wein solche Reaktionen hervorgerufen hat. Am treffendsten charakterisierte @weinpasta den Wein: „Ich sach jetzt mal was: das ist eigentlich kein Wein zum „Verkosten“ sondern zum Trinken“. Besser kann man es nicht sagen.

 

Zum Weingut: www.wuertz-wein.de

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Von gestern, heute & morgen - Der VDP präsentiert seine Weine, seine Geschichte und sich selbst

Das Jahr 2010 bedeutete für den Verband Deutscher Prädikatsweingüter nicht nur die Präsentation des seit langem umjubelten Jahrgangs 2009, u.a. am 26. September 2010 im Kloster Eberbach, sondern auch sein 100jähriges Jubiläum. So wurden gleichzeitig zwei Publikationen zum Jubiläum vorgestellt. Das eine ist ein klassisches Coffee-Table-Book aus dem Tre Torri Verlag, das jedem Mitglied des VDP eine Doppelseite widmet. Wie es sich für ein Buch dieser Gattung gehört, zeichnet es sich durch hochwertige Photographien und ein bestechendes Layout aus. Es stellt somit eine Luxusvariante des ebenfalls erstellten Mitgliederverzeichnisses dar.
Das zweite Buch ist eine Geschichte des VDP. In „Im Zeichen des Traubenadlers“ skizziert Daniel Deckers mit großem Rechercheaufwand die wechselvolle Geschichte des Verbands. Beginnend mit der Gründung des Verbands Deutscher Naturweinversteigerer 1910, zu einer Zeit, als die deutschen Weine zu den teuersten und angesehensten Gewächsen der Welt gehörten, über die Verwerfungen des Ersten Weltkriegs, als Gründungsmitglied Ludwig von Bassermann-Jordan bereits wenige Tage nach Kriegsbeginn fiel. Deckers beleuchtet die Probleme während der Weltwirtschaftskrise, die Nichtgleichschaltung des Verbands während des Nationalsozialismus sowie die Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Weinhändler im Dritten Reich sowie die Rückkehr der wenigen Überlebenden, die es den deutschen Winzern bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglichten, wieder erfolgreich Wein zu verkaufen. Auch die neuere Geschichte des Verbands wird thematisiert, wie die Beinaheauflösung 1971 und die folgende Umbenennung in Verband Deutscher Prädikatsweingüter, die Qualitätsprobleme des deutschen Weinbaus Ende der 1970er Jahre bis hin zu den erfolgreichen Bestrebungen, wieder an den Erfolg vor hundert Jahren anzuschließen.

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Wilhelm Weil betonte bei der Bücherpräsentation in seinen einleitenden Worten, dass es das Bestreben der Prädikatsweingüter sei, wieder zur Spitze der weltweiten Weinelite zu gehören. Dieses Streben wurde auch bei der Verkostung der Großen Gewächse (GG) 2009, bzw. 2008 bei den Rotweinen, deutlich. Die Qualität der vorgestellten Weine ist konstant überdurchschnittlich.
In den letzten Wochen entbrannte in einem deutschen Weinforum eine Debatte darüber, dass die GGs angeblich nicht gebührend bewertet würden - Aufhänger waren die Bewertungen der ersten deutschen Ausgabe des Falstaffs, der maximal 95 Punkte vergab. An dieser Debatte lässt sich sehr gut ablesen, dass partiell ein Anspruch erhoben wird, der eigentlich noch nicht mit der Realität deckungsgleich ist. Wilhelm Weils Worte zeigten daher, dass zumindest im Verband der Realismus nicht verloren gegangen ist - der trockene deutsche Riesling ist auf einem hervorragenden Weg, aber noch nicht am Ziel angekommen.

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Leider ist es in der Kürze der Zeit und bei der Vielzahl an Weingütern nicht möglich, sämtliche Weine zu verkosten. Alle von mir verkosteten Weine waren sehr gut, aber nur wenige waren wirklich herausragend. Manchen Rieslingen fehlte es an Säure, andere waren zu alkoholreich. Mir erscheinen vier Weine als so gut, dass ich sie explizit erwähnen möchte:

    Heymann-Löwenstein Uhlen „Laubach“ Riesling 2009
    Emrich-Schönleber Halenberg Riesling 2009
    Schäfer-Fröhlich Felseneck Riesling 2009
    Kühling-Gillot Pettenthal Riesling 2009

Natürlich kann diese Liste um viele hervorragende Weine erweitert werden. Ihr wahres Potential zeigen sie sowieso erst in der Zukunft.

Generell lässt sich konstatieren, dass die deutschen Weine - besonders die trockenen Rieslinge - auf einem gutem Weg sind, an ihrer großen Vergangenheit anzuknüpfen. Daher scheint es auch vernünftig, mit der Aufarbeitung der Verbandsgeschichte sich seiner Herkunft zu versichern, um sich den Projekten der Zukunft stellen zu können.

 

Deckers, Daniel: Im Zeichen des Traubenadlers, Mainz Verlag Philipp von Zabern 2010.

Deutschlands Weinelite: VDP. Die Prädikatsweingüter, hrsg. von Ralf Frenzel, Wiesbaden Tre Torri Verlag 2010.

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Die Provence ist nicht nur Rosé - Weinrallye #37

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Über viele Jahre assoziierte der Weintrinker mit der Provence eine traumhafte Landschaft und alkoholische und gleichzeitig ausdruckslose Rosés. Heute denkt man noch immer an die Landschaft aber auch an deutlich bessere Rosés. Aber diese Reduzierung auf einen Weinstil ist eigentlich völlig unangemessen.

Die Provence ist ein großes Weinanbaugebiet, sie reicht von Arles bis nach Nizza und ist damit die Fortsetzung des Languedoc auf der Ostseite des Rhônedeltas. Natürlich ist es nicht zu leugnen - es wird überdurchschnittlich viel Roséwein erzeugt. Daneben gibt es Regionen, die besonders für ihre Rotweine bekannt sind. Hier wäre sicherlich Bandol zu nennen, aber auch der westlichste Ausläufer, die 1995 geschaffene Splitter-Appellation Les Baux-de-Provence - ehemals gehörte diese Region zur AC Coteaux d’Aix-en-Provence. Diese beginnt wenige Kilometer westlich von Eygalières und liegt damit genau zwischen Rhône und Durance. Diese Gegend ist durch die Domaine de Trévallon berühmt geworden, die aber durch das strenge AC-Reglement ihre Weine als Vin de Pays Bouches-du-Rhône auf den Markt bringen muss. Aber dies nur nebenbei.

Die Landschaft in dieser Gegend wird stark geprägt von den Alpilles, einer schroffen Kalksteinhügelkette von 300-500m Höhe. Am Fuße dieser Kette wird Wein angebaut. Nicht nur die schroffen Felsen machen diese Region seltsam krag, auch das Wetter spielt hierbei eine Rolle. Es ist ausgesprochen heiß im Sommer, es gibt um die 3000 Sonnenscheinstunden im Jahr, der Niederschlag ist gering (550-680 mm/Jahr). Hinzu kommt der Mistral, jener Wind, der mit großer Geschwindigkeit häufig das Rhônetal gen Süden stürmt. Vor ihm muss man die Rebstöcke besonders schützen. Gleichzeitig bietet er jedoch einen großen Vorteil: durch den Mistral ist das Risiko für einen Befall durch Pilzkrankheiten auf ein Mindestmaß reduziert. Deshalb setzte sich hier früh der ökologische Weinbau durch.

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Einer der Vorreiter des ökologischen Weinbaus ist die 1992 gegründete Domaine d’Eole. Sie liegt westlich von Eygalières, kurz bevor die AC Coteaux d’Aix-en-Provence zur AC Les Baux-de-Provence wird. Ihre Weinberge liegen zu Füßen der Alpilles. Bereits vier Jahre nach ihrer Gründung kaufte Christian Raimont die Domaine - aber er setzte auf Kontinuität, denn seit 1993 ist der deutsche Önologe Matthias Wimmer für Weinbau und Keller zuständig. Die Idee des ökologischen Anbaus setzte sich in den folgenden Jahren in der gesamten Region immer mehr durch. Neben vorzüglichen Rotweinen und einem sehr gutem Rosé, wird auch Weißwein erzeugt. Den Einstieg macht der Domaine d’Eole weiß 2008, ein Vin de Pays des Alpilles, eine Cuvée aus 50% Grenache blanc und 50% Rolle - einer typischen Rebsorte des Mittelmeeres, die in Italien Vermentino heißt. Handlese, geringe Erträge und biologischer Weinbau (Ecocert) sollen hohe Qualität garantieren.

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Der Wein präsentiert sich mit einem kräftigen Hellgelb, das an Champagner erinnert.
In der Nase dominieren Aprikose, gelbe Früchte und frische Kräuter. Daneben Noten von Gräsern und nussige Noten, die an Mandeln erinnern. Insgesamt ist die Nase von mittlerer Intensität und ausgesprochen harmonisch.
Am Gaumen ist die Säure nicht besonders ausgeprägt. Eine leicht herbe Note und Aromen von Kräutern (Melisse,…) sorgen für eine angenehme Frische. Der Körper ist kräftig - nicht üppig. Es finden sich Aromen wieder Kräuter-, Steinobst- und gelbfruchtige Noten, dazu nussige Noten und Karamell. Der Wein hat viel Schmelz und einen langen Nachgeschmack.

Die Domaine d’Eole zeigt mit diesem Wein, dass auch in der Provence neben Rosé- und Rotweinen auch großartige Weißweine entstehen, die sicherlich viel Beachtung verdienen. Auf jeden Fall muss die Provence mittlerweile als Erzeugerregion für sehr ernsthafte Weine wahrgenommen und nicht nur wegen der Landschaft gerühmt werden.

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Ein paar Münzen für nen Griechen - Nomis

Vor einiger Zeit gab es zwei griechische Weine in der Twitter Weinverkostung, einen Wein aus der autochthonen Rebsorte Roditis und einen weiteren griechischen Wein, einem Rhône-Blend. Beide Weine faszinierten mich, so dass ich beschloss, weiter die Augen nach griechischem Wein offen zu halten. Naheliegender Weise greift man zunächst auf die Weine zurück, die in der Nähe erhältlich sind – in diesem Fall heißt der Wein Nomis.

Nomis kommt von Nómisma, was auf Griechisch u.a. Münze bedeutet. Diese ziert auf das Etikett des von der Kellerei Tsantali erzeugten Weines. Man muss auch ein paar Münzen (12,80 Euro) hinlegen, griechischer Wein ist nicht unbedingt günstig in Deutschland zu erwerben. Der Wein stammt vom Peloponnes und ist eine Cuvée aus gleichen Teilen der griechischen Rebsorte Mavroudi und Syrah. Mavroudi ist übrigens nicht mit der bulgarischen Rebsorte Mawrud verwandt, auch wenn das Oxford Weinlexikon diese Verwandtschaft vermutet.

Mal sehen, wie diese authochthon-international-Cuvée schmeckt:

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Der erste Eindruck in der Nase ist ernüchternd. Noten von Wachs, Gummi und Alkohol überlagern die Fruchtnoten. Dieser Wein muss dringend dekantiert werden!
Nachdem er ausreichend Luft erhielt, präsentiert er sich ganz anders. In der Nase finden sich Aromen von wilden Kräutern, dunklen Beeren, Pflaume, dunkle Kirsche und Walnuss. Der Alkohol ist zwar noch immer leicht wahrnehmbar, stört aber nicht mehr annähernd so.
Auch am Gaumen entwickelt sich der Wein mit der Zeit. Anfangs waren leichte, aber raue Gerbstoffe wahrnehmbar, Bitternoten. Die Frucht war verhalten, die Säure frisch, was den Wein recht schlank wirken lässt. Mit Luft verändert sich der Nomis auch am Gaumen. Der Wein wird dichter,, vollmundiger, er harmonisiert sich. Die fruchtigen und kräuterigen Aromen treten in den Vordergrund, neben Kirsche und Beerenfrucht sind Noten von Cassis und Lakritze präsent. Er hat einen langen Nachgeschmack.
Wichtig ist, dass der Nomis ausreichend Luft erhält und nicht zu kühl getrunken wird. Und am besten zu einem kräftigen Essen.

Mit dem Nomis zeigte sich erneut griechischer Wein von einer sehr guten Seite. Leider ist er recht teuer, da ist der Name wohl Programm. Für ca. 9-10 Euro wäre dieser Wein fair kalkuliert und konkurrenzfähig. Bei einer solchen Preispolitik wird es aber schwierig, gegen Weine aus anderen Ländern zu bestehen. Wem aber die 3 Münzen gleichgültig sind, der sollte diesen Wein ruhig mal probieren.

 

Links:

Erhältlich bei Mövenpick Weinkeller

Filed under  //   Griechenland   Rotwein   Verkostungsnotizen  

Die 2. Twitter Wine Awards #twa

Es gibt Weinpreise, die haben eine große Relevanz und es gibt Weinpreise, die völlig banal sind. Und es gibt immer wieder neue Weinpreise - und manchmal sind diese neuen Weinpreise richtig innovativ. Die Twitter Wine Awards (#twa) gehören in diese innovative Gruppe.

Bereits im April dieses Jahres fanden die ersten Twitter Wine Awards statt. Am letzten Wochenende gingen sie in Klüsserath an der Mosel in die zweite Runde, diesmal unter der Schirmherrschaft des Deutschen Weininstituts. Anders als bei anderen Weinpreisen, werden keine professionellen Weinverkoster für die Jury nominiert, sondern jeder interessierte Weinfreund kann hierbei teilnehmen - die Bürgerjury. So stellt die Jury eine interessante Bandbreite dar, von Sommeliers über Weinhändler und Winzern bis hin zu Weinkonsumenten. Näher am Konsumenten, dem solche Preise als Hilfe dienen sollen, kann man eigentlich nicht sein.

 

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Die 2. Twitter Wine Awards standen unter dem Motto „Riesling World Wide“. Weingüter konnten ihre Rieslinge einschicken. Die Weine durften jedoch nicht mehr als 15 Euro kosten - auch der Preis der Weine orientiert sich am Konsumenten-Alltag.
Da leider nicht alle angekündigten Weine eintrafen, standen nicht ganz 140 Rieslinge bereit. Das „World Wide“ war recht überschaubar, neben je einem Riesling aus Österreich, der Slowakei, Ungarn, dem Elsass und Spanien und zwei Rieslingen von Johner Estate in Neuseeland, kamen die Weine aus Deutschland. Jedes Jurymitglied konnte die komplette Bandbreite verkosten - was auch sehr diszipliniert geschah. Und es zeigte sich am Ende, dass das Ergebnis sehr homogen war. Die Siegerweine sahen Teilnehmer fast in Gänze sehr weit vorne.
Leider birgt das Verkostungssystem leichte schwächen. Es gibt drei Stufen der Bewertung: ok - gut - mjammjamm. Die Weine waren in restsüß und trocken eingeteilt. Wenn man noch eine Differenzierung in zwei Preisgruppen unternähme, würde dies wahrscheinlich noch aussagekräftiger. Wenn ein Riesling wirklich gut schmeckt, aber ihm eigentlich eine Kleinigkeit zum mjammjamm fehlt, er aber nur 4 Euro kostet, dann muss man diesen Preis mitberücksichtigen. Denn in dieser Kategorie gab es doch ein paar Überraschungen.

 

Aber nun zu den Siegerweinen:

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Kategorie trockene Rieslinge

Punktgleich und damit Gewinner des Twitter Wine Awards

2009 Haardter Herrenletten “Alte Reben”, 10,50 Euro, Weingut Weegmüller,
2009 Westhofen Morstein, Spätlese trocken, 11,00 Euro, Weingut Flick

weitere Weine mit hoher Bewertung:

2009 “Rotschiefer”, 9,80 Euro, Weingut St. Antony
2009 Riesling trocken, 8,50 Euro, Weingut Battenfeld-Spanier
2008 Nierstein Orbl, Großes Gewächs, 15,00 Euro, Weingut St. Antony
2008 Haardter Herrenletten “Alter Reben”, 10,50 Euro, Weingut Weegmüller
2009 Hackenheim Kirchberg, 7,00 Euro, Weingut Kaul
2009 “Kalkstein”, 7,50 Euro, Weingut Braunewell

Kategorie Rieslinge mit Restsüße

Twitter Wine Award Gewinner

2008 Altenberg, Spätlese, 12,90 Euro, Weingut Willems-Willems
2008 Bischofinger Rosenkranz, 11,00 Euro, Weingut Johner
2009 Wairarapa, 8,00 Euro, Johner Estate, Neuseeland

weitere Weine mit hoher Bewertung:

2009 “Junge Reben”, Weingut Meierer, 6,90 Euro
2009 Detzemer Maximiner Klosterlay, Weingut Thul, 6 Euro
2009 Schloß Reichardtshausen, Kabinett feinherb, 9,80 Euro, Weingut Balthasar Ress

 

Links:

weitere Blogs zu den #twa:

Dirk Würtz Der Ausrichter der #twa

DWI Der Schirmherr

Don Simon

Baccantus

Pasta Weinseiten

Bad Kreuznach Blog

Weinkaiser

Gazzetta del Vino

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Weinkultur und Weinkonsumlenkung im Nationalsozialismus - Die Geschichte eines Festes

 

Vor einiger Zeit wurde ich gebeten, einen weinhistorischen Beitrag für das englischsprachige Weinblog winerambler.net zu verfassen. Natürlich sagte ich sofort zu, stellte aber bald fest, dass dies nicht so einfach ist. Welches Thema, wie aufgemacht? Einerseits muss man darauf achten, dass das Thema spannend ist und nicht nur weitestgehend Bekanntes wiederholt. Gleichzeitig darf das Thema nicht zu umfassend sein, damit es noch blogtauglich ist.

 

Ich habe mich nach langem Überlegen für ein Kapitel der deutschen Weingeschichte entschieden, dass bisher nur selten thematisiert wurde: Das Fest der deutschen Traube und des Weines. Was dies war und welche Auswirkungen dieses Fest auch auf die Weinkultur der Bundesrepublik Deutschland hatte, dazu hier mehr:

http://www.winerambler.net/blog/how-nazis-invented-german-wine-culture-historical-guest-ramble-peter-jakob

 

hier zur deutschen Version:

http://www.winerambler.net/blog/das-fest-der-deutschen-traube-und-des-weines-ein-historischer-guest-ramble-von-peter-jakob


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Bildnutzung dank freundlicher Genehmigung des Stadtarchivs Herne

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Posted July 30, 2010

Riesling auf der Autobahn?

Alkohol auf der Autobahn geht nicht! Eigentlich richtig, im Straßenverkehr hat der nichts verloren. Aber am letzten Sonntag sah das ganz anders aus. Da waren Autos auf der Autobahn verboten, zumindest auf der A40 zwischen Dortmund und Duisburg, Riesling dagegen erlaubt. Und vieles mehr acuh, wie z.B. sowas:

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Typisch A40 - Stau auf der Autobahn!

Im Rahmen von Ruhr 2010 fand das Still-Leben statt, die komplette Sperrung von Deutschlands meist befahrener Autobahn. Anstatt PKWs fuhren Fahrräder auf der einen Seite des Ruhrschnellwegs, auf der anderen Seite flanierten die Besucher – über 3 Millionen sollen es gewesen sein – an einer 60 Kilometer langen Tischreihe entlang, an der verschiedenste Aktionen stattfanden.
In Bochum hatte Uwe Bende vom Weinforum Ruhrgebiet im Vorfeld zu „Riesling trifft Kohle“ in Bochum auf die A40 geladen, wer wollte, konnte sich gegen einen kleinen Unkostenbeitrag anmelden. Es war ein faszinierendes Erlebnis, mitten auf der Autobahn teilweise mehr als beeindruckende Rieslinge aus diversen Jahrzehnten zu verkosten. Diverse mir bekannte Gesichter, z.B. Ralf Kaiser (www.weinkaiser.de), Thomas Günther (www.weinverkostungen.de) oder Gernot Kollmann vom Weingut Immich-Batterieberg (www.batterieberg.com), und noch nicht bekannte Gesichter waren zugegen.

Die Liste der Weine lässt sich sehen. Die Spannweite reichte von 1958 bis in die Gegenwart, von trocken bis restsüß. Gernot Kollmann brachte uns den 1964er Batterieberg Riesling naturrein, sowie den unter seiner Tätigkeit als Kellermeister von Van Volxem entstandenen Scharzhorberger Riesling Kabinett von 1990 und den unter seiner Beratung entstandenen 07er Winninger Röttgen Riesling Spätlese Alte Reben vom Weingut Knebel mit.

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Die 1964er Immich-Batterieberg Batterieberg naturrein

Die weiteren Weine brachte Uwe Bende mit. Besonders beachtlich war, dass Glasbehältnisse aller Art verboten waren. Uwe Bende hatte daher Weingläser aus Plastik besorgt, sowie Weinflaschenumverpackungen aus leeren PET-Flaschen, die die offiziellen Kontrolleure mehr als überzeugten und staunen ließen. Eine bewundernswerte Kreativität! Somit stand einer ganz besonderen Weinveranstaltung nichts mehr im Weg.

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Der älteste Vertreter, ein 1958er Wachenheimer Gerümpel von Karl Schäfer


Die Liste der Weine liest sich so:

Peter Jakob Kühn Oestricher Riesling (eine Traube) 2004

Heymann-Löwenstein Winninger Uhlen R 2001

Peter Jakob Kühn Quarzit Riesling trocken 2007

Koehler Ruprecht Kallstadter Saumagen R Riesling Auslese trocken 2001

Wittmann Westhofen Morstein weißer Riesling Spätlese trocken 1990 (leider undichter Kork)

Kaßner-Simon Freinsheimer Oschelskopf Riesling Auslese trocken 1990

Toni Jost Martinsthaler Rödchen Riesling Kabinett trocken 1990

Cave Kientzheim Kayserberg Fürstentum Riesling Grand Cru 1995

Laible Durbacher Plauelrain SL Riesling Spätlese trocken 2001

Wittmann Westhofen Aulerde Riesling GG 2001

George Rüdesheim Berg Rottland Riesling trocken 2003

Keller Riesling trocken "von der Fels" 2005

Karl Schäfer Wachenheimer Gerümpel Riesling Spätlese 1958

Immich Batterieberg Riesling naturrein 1964

Schloss Schönborn Hochheimer Kirchenstück Riesling Spätlese 1971

Staatsweingüter Kloster Eberbach Kiedricher Gräfenberg Riesling Spätlese Cabinet Versteigerungswein 1966

Bichöfliches Priesterseminar Kanzemer Altenberg Riesling Spätlese 1982

Langwerth von Simmern Hattenheimer Nussbrunnen Riesling Spätlese 1989

Staatsweingüter Niederhausen-Schlossböckelheim Altenbamberger Rotenberg Riesling Spätlese 1988

Knebel Winninger Röttgen Riesling Spätlese Alte Reben 2007

Weiser Künstler Trabener Gaispfad Riesling Spätlese 2007

Van Volxem Scharzhofberger Riesling Kabinett 2000

Bremer Ratskeller Erdener Treppchen Riesling Spätlese feinherb 2008

Reichsrat von Buhl Forster Kirchenstück Riesling Spätlese 1999

Markus Molitor Zeltinger Sonnenuhr Riesling Spätlese 2001

Joh.Jos. Prüm Graacher Himmelreich Riesling Auslese 2002

Kathäuserhof Eitelsbacher Kathäuserhofberg Riesling Spätlese 2003

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Links:

Weitere Blogs zu „Riesling trifft Kohle“:

http://www.weinkaiser.de/?p=1895

http://weinverkostungen.de/ruhr-2010-riesling-trinken-auf-der-autobahn/

Filed under  //   Diverses   Riesling  
Posted July 21, 2010

Weinkritik um 400 v.Chr

"In Syrakus wurde Stesichoros einmal vom Tyrannen Dionysios zu Tisch gebeten. Der Wein war schlecht, aber erschien den Anwesenden köstlich. Dionysios merkte den Unwillen des Gastes und sagte: "Der Wein ist aus Petrai (Steinen)." Darauf jener: "Ich hätte auch nicht geglaubt, dass er aus Reben ist.""

aus: Demandt, Alexander: Sokrates antwortet. 555 Sprüche aus der Antiken Lebenskunst, Düsseldorf und Zürich 1995, S. 106.

Posted July 15, 2010

My Big Fat Greek Rhône Wine - #twv 9.2

Autochthone Rebsorten, aus denen gute und damit auch sehr individuelle Weine entstehen, machen ein Land für den begeisterungsfähigen Weintrinker hoch interessant. Aber häufig sind sie gleichzeitig ein Bremsklotz, möchte man eine Region einem breiten Publikum zugänglich machen. Der Geschmackssinn vieler Weintrinker ist festgefahren, neue Weintypen werden probiert, aber man bleibt doch lieber beim Altbekannten. Änderungen ergeben sich immer nur langsam. Daher ist es immer von Vorteil, wenn man aus Weinregionen Produkte erhält, die sich an alteingesessenen Weinen orientieren, ohne diese zu imitieren. Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah, Grenache erfordern weniger Forscherdrang.
Griechenland ist ein Land, das mit ausgesprochen vielen autochthonen Rebsorten gesegnet ist. Aber wie bekommt man Weintrinker dazu, sich für griechischen Wein zu öffnen? Am besten mit Rebsorten, die fast jeder kennt und die meisten mögen: Cabernet Sauvignon, Syrah, Grenache,…. Hier bewegt man sich auf sicheren Terrain, der Konsument kann eine neue Weinregion auf „sicheren“ Pfaden erkunden.

So hat es auch Ted Manousakis gehandhabt. Er wuchs größtenteils in den USA auf, da seine Eltern aufgrund der schwierig ökonomischen Lage nach dem Bürgerkrieg der späten 40er Jahre von Kreta auswanderten. Nach seinem MBA und einer erfolgreichen Karriere wuchs 1984 in ihm der Wunsch, in seiner Heimat Wein anzubauen. Die unberührten Berge nahe des Dorfes Vatolakkos erschienen ihm als geeignet. Nach umfangreichen Studien entschied er sich für den Anbau der Rhônerebsorten Syrah, Grenache, Mourvedre und Rousanne. 1993 begann der Anbau auf 2 ha Fläche, mit der Hilfe renommierter Berater begann er die Weinbereitung. 1997 wurde dann der erste Jahrgang gefüllt. Noch heute steht ihm Laurence Feraud von der Domaine de Pegeau als Beraterin zur Seite.

Unter dem Label NOSTOS (griechisch für Heimkehr) vermarktet die Manousikis Winery ihre Weine. Neben dem seit 1997 existierenden NOSTOS Blend, ist seit 2003 NOSTOS Alexandra’s - benannt nach Teds Tochter - als Rhône-Cuvée auf dem Markt. Daneben existieren mehrere reinsortige Weine.
Alexandra’s ist eine Cuvée aus 40% Syrah, 40% Mourvedre und 20% Grenache. Diese Zusammensetzung macht, trotz der Nähe zu klassischen Rhône und Languedoc-Weinen, deutlich, dass es sich hierbei nicht um einen klassischen GSM handelt, also die in Südfrankreich und Australien häufig anzutreffende Cuvée, die vom Grenache dominiert wird.
Wie schmeckt also ein griechischer Rhône-Wein?

Nostos

Der 2008er Alexandra’s ist klar und tief rubinrot. In der Nase dominiert eine ausgeprägte dunkle Kirscharomatik, daneben finden sich Noten von Pflaumen und Brombeere. Etwas schwächer, aber harmonisch abrundend, sind Noten von Mocca, Tabak und Leder, ebenso finden sich kräuterige Noten und Pfeffer. Insgesamt ein sehr harmonisches Geruchsbild. Im Vergleich zu vielen Rhône-Weinen sind die Fruchtaromen ausgeprägter, dafür die Kräuternoten deutlich dezenter. Insgesamt ist die Nase anfangs sehr üppig und wuchtig, mit mehr Luft wird sie dezenter und die Kirsch- und Beerenaromatik nimmt stärker zu.
Der Wein sollte, wenn man ihn ohne kräftige Essensbegleitung genießt, dekantiert werden, denn er präsentiert sich anfangs mit deutlichen Gerbstoffen und einer präsenten harmonischen Säure. Mit der Zeit wird er deutlich weicher. Auch hier dominieren die fruchtigen Aromen, daneben finden sich kräuterige und animalische Noten, die mit der Zeit immer dezenter werden. Im Nachgeschmack hatte er leichte Bitternoten, die ihm eher eine Individualität verleihen, als störend zu wirken.
Der Einsatz des Holzes ist sehr zurückgenommen, was dem Wein vollmundig und elegant wirken lässt. Daneben wirkt er angenehm kühl, was ich bei seiner kretischen Herkunft so nicht erwartet hätte.

Es ist wunderbar überraschend, welch opulenter „Rhône-Wein“ auf Kreta entsteht. Er macht es einem leicht, Neugierde für diese bei uns so wenig beachtete europäische Weinbauregion zu wecken. In seinem Stil versucht er einerseits kein Imitat zu sein, er verheimlicht seine Herkunft nicht. Andererseits ist er mit seiner Art ein Vertreter für einen Wein, der eher ein breites internationales Publikum erreichen möchte und nicht nur von einer Fangemeinde gemocht werden will. Dies beides macht ihn zu einem guten Botschafter für den griechischen Weinbau.

 

Links:

Weingut: www.nostoswines.com

Bezugsquelle: www.600bottles.com

Weiterer Blogartikel: http://donsimons.blogspot.com/2010/06/twitterweinverkostung-twv-91-alexandras.html

Lesenswert: http://lagazzettadelvino.blogspot.com/2010/06/im-gesprach-mit-dem-vinophilen.html

 

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Posted July 5, 2010